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Fringsen in Köln oder das 7. Gebot auf Kölsch 

Josef Kardinal Frings (*1887 - gest. 1979), später nur noch Josef Frings genannt, war 27 Jahre lang der Erzbischof von Köln (1942 - 1969). Im Jahre 1887 wurde er als zweites von acht Kindern des Fabrikanten Heinrich Frings und seiner Frau Maria Sels im niederrheinischen Neuss geboren. Das Milieu in dem Frings aufwuchs war somit bürgerlich, großbürgerlich müsste man eher sagen. Seine Familie beschrieb Frings selbst einmal als “eher liberal als fromm, aber er stamme aus gutem Hause”. Die Familie wohnte gegenüber der Neusser Münsterkirche direkt am Neusser Markt. Tägliche Besuche der kirchlichen Messe gehörten zur Familientradition. Die kinderreiche und religiöse Atmosphäre in der Frings aufwuchs, hatte sein Denken und seine Persönlichkeit nachhaltig geprägt. Daher lag es für den heranwachsenden Josef wohl nahe, später eine Laufbahn als Priester einzuschlagen. Seine Studienzeit als Theologiestudent verbringt der junge Frings in München, Innsbruck,Freiburg, Bonn und Rom.
Seine Priesterweihe erhielt Frings 1910. In seiner Zeit als Priester war er u.a. Pfarrer der Gemeinde St. Marien in Fühlingen, Leiter eines Waisenhaus in Neuss, Pfarrer in Braunsfeld und der Leiter des bischöflichen Priesterseminars in Bensberg.

Eher von kleiner und schmaler Statur und mit dem Aussehen eines feinsinnigen Gelehrtentyps, war Frings Zeit seines Lebens stets ein Mann des Volkes. Seinen Humor und Witz, aber auch seine Entschiedenheit und sein Durchsetzungsvermögen, zeichneten ihn als einen Mann aus, der nie Mühe hatte mit Menschen verschiedenster sozialer Schichten zu kommunizieren.
So auch sein Leitspruch “pro hominibus constitutus” - “Für die Menschen bestellt.” Frings wollte bereits zu Beginn seiner Priesterkarriere Leutepriester und Seelsorger werden. Das war ihm wichtig, hier hatte er das Gefühl etwas bewirken zu können. 

Kardinal Frings Denkmal in KölnWie Frings zum Kölner Erzbischof wurde

Am 01. Mai 1945 wird Frings zum Erzbischof ernannt. Die mediale Verbreitung der Bischofsweihe war von den NS-Regime verboten worden. Auch durfte die lokale Presse nicht über Bischofsweihe am 21. Juni 1945 berichten. Jedoch hatten die Nazis die Rechnung ohne die Listigkeit der Kölner gemacht. So veröffentlichten einige Kölner Bürger im Nachgang der Weihe mehrere Annoncen im Kölner Stadtanzeiger. Eine davon lautete: „Habe am vergangene Sonntag im Hohen Dom zu Köln, als zum neuen Erzbischof Josef Frings geweiht wurde, meine Brille verloren. Der ehrliche Finder möge sich bitte melden. Chiffre“. Die Anzeige wurde mehrmals geschaltet und so sprach es sich langsam in Köln herum, dass es neuen Erzbischof gab.

Von einer anderen Annonce berichtet Kardinal Frings selbst. Es handelte sich um die Verlustanzeige einer jungen Kölnerin für ihre Handtasche, die sie während der Weihe verloren hätte. In der Tasche befände sich ein Foto ihres Bräutigams, der darauf “im Felde stand”. Frings benannte dies mit seiner rheinischen Art später als weibliche Kriegslist! Jedoch hatte sich der Termin zur Bischofsweihe in Köln bereits im Vorfeld wie ein Lauffeuer verbreitet.  Zur Weihung waren knapp 2000 Menschen anwesend, der Dom war bis auf den letzten Platz besetzt!  Zum Kardinal wurde Frings im Jahr 1946 ernannt. Zu seinem Lebenswerk gehört sicherlich die Mitgründung des Hilfswerks Misereor. Sein Bischofsamt legte Frings im Februar 1969 aus Altersgründen nieder, da seine Sehkraft immer mehr nachließ. 

Der Bundeskanzler Konrad Adenauer und Erzbischof Frings

Über das Verhältnis zwischen Adenauer und Frings, zwei wichtige rheinische Größen dieser Zeit, gibt es viele Stimmen. Das Verhältnis soll sachlich sowie menschlich-persönlich gewesen sein. Die besten Freunde waren sie aber allen Anscheins nicht. 
Noch zu seiner Zeit als Pfarrer von Braunsfeld, kam Frings mit dem damaligen Oberbürgermeister Adenauer in Berrühung, der mit seiner Familie die Gottesdienste von Frings in Braunsfeld besuchte. Obwohl Adenauer und seine Familie nicht in Braunsfeld lebten.  Pfarrer Frings hatte zwei der jüngeren Kinder der Familie zur Erstkommunion geführt. 

Während Adenauer im offiziellen Schriftverkehr immer die korrekte Anrede wahrte, so sprach er den Kardinal im persönlichen Gespräch immer mit “Herrn Frings” an. Die Gründe für dieses Verhältnis werden mannigfaltig sein. Ein Zitat beschreibt es ganz schön: “Die beiden großen Landsleute waren einander ähnlich an Mutterwitz, Verschlagenheit und herrscherlicher Pose, aber in seinen 4-bändigen Memoiren fand Adenauer für die sechs Buchstaben “Frings” nicht einmal Platz”. 

Ehrungen für Kardinal Frings

Der Bundespräsident Theodor Heuss verlieh dem Kölner Kardinal 1952 das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 15 Jahre später wird Frings zum Ehrenbürger der Stadt Köln ernannt (1967). Damit ist Frings der einzige Erzbischof von Köln, dem diese Ehre zuteil wurde. 

Berühmte Zitate des rheinischen Kardinals

Bei einem Spaziergang auf sein schlechtes Augenlicht angesprochen, soll Frings im besten Kölsch geantwortet haben: „Jot lure kann ich schlääch, ävver schlääch hüre, dat kann isch jot.“ („Gut sehen kann ich schlecht, aber schlecht hören, das kann ich gut“).
 
Eine andere Anekdote stammt aus der Zeit der britischen Besatzung. Der britische Oberkammandierende hatte Frings zu sich einbestellt, ließ den Kardnial jedoch absichtlich warten. Nach angemessener Zeit verließ Frings darauf das Büro und teilte dem Sekretär vor Ort mit: "Sagen Sie dem General, ich hätte schon noch warten können - aber der Kardinal nicht."

Kardinal Frings ging gerne zum Schwimmen ins Neptung Bad. Kurz vor seiner Ernennung als Erzbischof soll ihn ein Mitschwimmer einmal gefragt haben: „Ich kenne Sie doch. Sind Sie doch der erste Geiger im Café Bauer?“ Frings soll geantwortet haben: „Sie irren sich. Die erste Geige spiele ich zwar bald - aber woanders“ 

Die Erzählungen und Anekdoten über Frings und seinem rheinischen Humor, sowie seiner Menschlichkeit könnten zahlreicher nicht sein. Hier zwei weitere kleine Geschichten zum Weitererzählen:
Da der Kardinal mit dem Namen Josef getauft wurde und das op Kölsch der Name „Jupp“ ist, in der Koseform „Jüppche“, wurde er später von den Rheinländern liebevoll „et Jüppche“ genannt – auch in seiner Funktion als Erzbischof und Kardinal. So kam es gelegentlich vor, dass Kommunionkinder im Kölner Dom, wenn der Erzbischof zur Probe kam, sich stolz vor ihm aufbauten und sagten: „Ich weiß auch wer Du bist, Du bist dat Jüppche“. Der Kardinal hat dann meistens verschmitzt gelächelt und gesagt. „Sag es aber nicht weiter.“

Eine andere Anekdote führt uns zu der Messe der Brauzunft in Köln. Bei einer Ansprache für die älteste Kölner Bierbruderschaft aus dem Jahre 1396, stellte der Kardinal eine Scherzfrage.
'Was ist der Unterschied zwischen einer Brücke und einem Glas Kölsch?' 'Üvver en Brück jeht alles. Ävver üvver  en Kölsch jeht nix!"

 

Britische Zone Köln und Kohlendiebe

 

Als ein Bischof den Kölner das „Klauen erlaubt“

Deutschland galt als die im Krieg meist zerstörte Stadt Deutschlands. Nur zwei Domspitzen ragten aus den Trümmern empor. Die Amerikaner nannten Köln den “größen Trümmerhaufen der Welt”. Um es genau zu beziffern lagen in Köln 32 Millionen Kubikmeter Trümmerberge herum. Das war mehr als in jeder anderen deutsche Stadt. 

Zudem herrschte im Nachkriegsköln überall Mangel. Hunger, Kälte und Wohnungsnot bestimmten den Alltag. Die Brücken waren kaputt, der Verkehr lahmgelegt, Busse und Bahnen fuhren nicht. Dreiviertel aller Wohnungen waren zerstört. Der Schwarzmarkt blühte. Die harte Währung waren Zigaretten. In Köln wurde daher viel gemaggelt, getauscht und auch gestohlen.

In dieser Situation der Not, widmete sich der Erzbischof in seiner Silvesterrede vom 31.12.1946 an die Bevölkerung des Rheinlands. Er war der Meinung, wenn doch das Leben der Menschen bedroht sei, so sei es nicht verwerflich sein Leben und das Leben anderer mit solchen ‚Aktionen‘ zu retten.

„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“

Das ließ sich der Kölner natürlich nicht zweimal sagen und so ging man denn “fringsen, fringsen, fringsen”, d.h. Rüben auf den Feldern klauen und Klütten (Kohlen) klauen. In Köln erzählte man sich “Der Frings hat gesagt, dass Klauen keine Sünde ist, wenn man es aus der Not tut.” Und so war „Mer jon fringesen“ von nun an bei allen der „Schlachtruf“ zum Mundraub. Das Wort “fringsen” wurde später in den Duden für deutsche Umgangssprache aufgenommen.
Den alliierten Besatzungsmächte mochte dies wohl ein Dorn im Auge gewesen sein und Frings bekam viel Ärger und manche Schwierigkeit mit den Briten, doch Frings wäre nicht Frings, wenn er auch nicht mit dieser Situation fertig geworden wäre. Den zweiten Satz seiner Silvesterrede hatten jedoch scheinbar viele Kölner überhört oder nicht mehr so gut in Erinnerung:

„Aber ich glaube, dass in vielen Fällen weit darüber hinausgegangen worden ist. Und da gibt es nur einen Weg: unverzüglich unrechtes Gut zurückgeben, sonst gibt es keine Verzeihung bei Gott.“

Ein kleiner Nachruf 

Frings war nah bei den Menschen, seine Menschlichkeit gepaart mit kölscher rheinischer Art, machte ihn so besonders. Seinen täglichen Spaziergängen an der Rheinpromenade frönte Frings auch noch im hohen Alter. Fast blind und immer in Begleitung seines treuen Sekretärs, hatte die schillernde Autorität der Katholischen Kirche stets ein offenes Ohr für seine Schäfchen.

Der Nachfolger von Frings, Erzbischof und Kardinal Meisner sagte einst über Frings, dass keiner der Kölner Erzbischöfe bei den Kölner so in der Erinnerung geblieben sei wie Frings. “Er sei fast zur Gattungsbezeichnung Kölner Erzbischöfe geworden” und erzählt von einem miterlebten Gespräch am Rande einer Fronleichnamsprozession zwischen 2 Kölnern, als eine Frau einen Man fragte „Wer is dat dann?“ - „Dat is der Frings, habe der Mann geantwortet“. 

Selbst auf der Rückseite einer Schallplatte der Black Fööss ist Frings verewigt worden. Dort wurden berühmte Kölner dargestellt. Darunter auch Frings, direkt neben Wolfgang Niedecken. Damit war er im Übrigen der einzige Geistliche auf dieser Schallplatte.

Als denn am 17.Dezember 1978, der „Dicke Pitter“ traurig und schwer seine Laudatio an den verstorbenen Alt-Kardinal anstimmte, war die Stadt um einen der 'Ihren' ärmer. So redet man denn heute noch in Köln von einem ihrer 'Originale' und wünscht sich bei so manch heikler Situation oder Frage den Rat des alten Frings. Denn der wusste ganz genau was jetzt zu tun wäre. 

 

 

Text: Christine Schauerte (Historikerin)

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-R70463 / Link zur Lizenz: CC-BY-SA 3.0

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