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Der goldene Schrein der heiligen drei Könige

Für die Weisen aus dem Orient wurde er gebaut und ist aus fast purem Gold und Silber und mit über 1000 Juwelen und Perlen verziert, ist der Schrein der Heiligen Drei Könige der größte der Welt. Über 50 Jahre dauerte seine Herstellung an. Ein unvergleichliche Kunst der Goldschmiedearbeit des Mittelalters. Getreu dem Motto, für die Heiligen nur das Beste!

In diesem Artikel wird die leidvolle Geschichte des Dreikönigsschrein erläutert. Durch die Eroberung Napoleons und durch den 2. Weltkrieg hat der Schrein viele Katastrophen überlebt. Auch Corona wird er überleben.

Viele Pilger kommen seit ca. 600 Jahren nach Köln, um vor dem Schrein zu beten. Sorgen und Nöten wurden den Heiligen Drei Könige mitgeteilt und man rief sie an, wenn man krank war oder ein geliebter Mensch von Krankheit bedroht war.

 

Hier kann man sich eine kleine Mini Doku über die Geschichte der Heiligen drei Könige anschauen.

 

Der Dreikönigsschrein

Seine Grundform erhält der Schrein durch zwei Sarkophage, die nebeneinander stehen und einen, der in der Mitte auf ihnen thront. So erhält der Schrein die Form einer Kirche. Neben den Gebeinen der Heiligen Drei Könige ruhen im Schrein die Gebeine des heiligen Felix, Nabor und Gregor von Spoleto.

Die drei Sarkophage bestehen aus einem Eichenholzkern, der die Grundstruktur erkennen lässt. (Den ursprünglichen Holzsarkophag kann man in der Schatzkammer sehen). Im Figurenprogramm des Schreins wird die gesamte Heilsgeschichte geschildert. Beginnend mit Figuren des Alten Testaments geht es weiter mit der Menschwerdung Christi bis zum jüngsten Gericht.

Die Hauptschauseite des Schreins zeigt in der Mitte thronend die Muttergottes mit dem Kind.
Links von ihr stehen die Heiligen Drei Könige, die das Kind anbeten und ihre Gaben bringen. In ihrem Gefolge König Otto IV., der Stifter des Golds für die Frontseite des Schreines. Rechts ist die Taufe Christi dargestellt und im Giebel die Wiederkunft Christi zum Jüngsten Gericht. Die abnehmbare Trapezplatte wird zu Festtagen entfernt – normalerweise nur an Epiphanie, 06. Januar - um den Anblick auf die Häupter der Drei Könige zu ermöglichen.

Der Giebel der Ostseite bildet den Kontrapunkt zum Westgiebel. In ihren drei Teilen sieht man die Geißelung und die Kreuzigung des Gottessohnes. Im oberen Teil thront der Heiland. Zwischen den drei Teilen entsteht ein Dreieck, in dem sich die Büste von Reinald von Dassel, dem Köln die Überführung der Gebeine zu verdanken hat, befindet.
Die rechte Langseite nennt man die Davidseite. Sie zieren in der unteren Ebene von West nach Ost die Propheten Moses, Jonas, Abdias, David, Daniel, Joachim und Jeremias. In der oberen Reihe die Apostel Paulus, Matthäus, Jakobus major, Cherub (kein Apostel), Bartholomäus, Simon und Philippus.
Die linke Seite heißt die Salomonseite. Sie zeigt in der unteren Reihe die Propheten Aaron, Habakuk, Ezechiel, Salomon, Joel, Naum und Amos.
Die obere Reihe der Apostel zeigt Petrus, Andreas, Jakob minor, Seraph (kein Apostel), Johannes, Judas Thaddäus und Thomas.

Seit seiner Entstehung ist der Schrein vielfach überarbeitet und restauriert worden. So sind die Figuren von Thomas und Johannes bei der Restaurierung in den 60er Jahren neugeschaffen worden. Auch die Köpfe von Judas und des Seraphs sowie die Körper des Philippus und des Cherubs mussten erneuert werden.

Spannend ist auch ein Vergleich mit dem Schrein wie er nach der Restaurierung im 19 Jh. ausgesehen hat. Er sah praktisch wie ein ganz anderes Werk aus. Er hatte andere Maße. Das Dach über der unteren Prophetenreihe wurde von Bildern aus der Geschichte der Heiligen Drei Könige geschmückt und der obere Dachfirst wurde von Engeln getragen. Ein Stich von 1781 zeigt, dass beide Dachflächen Reliefbilder trugen.

 

 

 

Ein Grab für die Heiligen drei Könige

Um 1181 wurde mit den Arbeiten am Schrein begonnen. Seine innere Hülle bildete ein Eichenholzkern, in den Philipp v. Heinsberg die Reliquien legte, ohne dass sein goldenes Gehäuse vollendet war. Die Fertigstellung des Schreines spannte sich über einen Zeitraum von 50 Jahren, so dass verschiedenste Künstler an ihm gearbeitet haben. Großen Einfluss soll der Goldschmied Nikolaus von Verdun gehabt haben, wobei aber nicht geklärt ist, ob er selber Hand angelegt hat. Während die beiden Langseiten 1191 so gut wie fertig waren entstand die Rückseite erst zwischen 1220-30. Zu der Zeit dachte man schon an einen Neubau des Domes, um der Pilgerheere gerecht zu werden, die Tag für Tag zum Dom strömten.

Der Schrein im Laufe der Geschichte

Konrad v. Hochstaden war es schließlich, der den Neubau des Domes 1248 initiierte.
Zuvor musste man aber Stück für Stück den alten Dom abreißen. Dies wollte man durch gezieltes Feuerlegen an die Eichenbalken, die das Fundament des Alten Domes bildeten, erreichen. Es kam aber ein starker Wind auf, der das Feuer auf den gesamten Dom übergreifen ließ. In höchster Not konnte man den Schrein vor den Flammen retten. Der alte Dom brannte ab und musste teils restauriert werden, damit ein Gebäude für die Messe hatte.

Ursprünglich war geplant, dass der Schrein in der Vierung seinen Platz finden sollte, aber da die Vollendung der Vierung nicht in Sicht war, bekam er nach der Chorweihe 1322 seinen Platz in der Achskapelle. Dort blieb er bis zur französischen Revolution.
Bald nach seiner Aufstellung benötigte der Schrein ein Gitterwerk, das ihn vor den andrängenden Pilgern schützte. Das Gitter hing von nun an voll mit den Opfergaben. Unter den Opfergaben waren auch solche von Kaisern und Königen, deren Gaben dann jedoch direkt am Schrein ihren Platz finden konnten. Umgekehrt wurde der Schrein aber auch Opfer von Diebstählen, zum Beispiel 1574 als ein kostbarer Stein aus der Trapezplatte der Stirnseite entwendet wurde und Jahre später im Kunsthistorischen Museum von Wien landete.
Im 15.Jh. hatte ein herabstürzender Strebefeileraufsatz den Schrein nur knapp verfehlt. Zum Schutz gegen die vielen Gefahren errichtete man 1668 ein barockes Marmormausoleum für den Schrein. Nachdem dieses ein Gitter erhielt, war der Blick nur noch eingeschränkt möglich. Ein Geistlicher nahm von den Pilgern mit einer silbernen Zange Gegenstände entgegen, mit denen er die Köpfe der drei Könige berührte.

Der Schrein auf der Flucht

1794 musste der Schrein vor den herannahenden französischen Truppen in Sicherheit gebracht werden. Hierzu wurde der Schrein zerlegt und in Kisten gepackt. Diese Kisten gelangten über die Abtei Weddinghausen bei Arnsberg nach Frankfurt am Main zum Domscholaster Molinari. Als 1804 nach einigen Verhandlungen der Schrein wieder zurück nach Köln kam, fehlten neben Beschlägen, Emaillen, Steinen und Inschriften sogar zwei Apostel und zwei Engelsfiguren und das Dachrelief. Man sah sich gezwungen, den Schrein um 40 cm zu verkürzen. Dies geschah unter der Aufsicht von Ferdinand Franz Wallraf. Der Goldschmied Pollack und seine Söhne übernahmen die Restaurierung, wonach sie sich aber nicht ans Mittelalter anlehnten, sondern der damaligen Zeit.
1864 wurde der Schrein in der Domschatzkammer untergebracht, um nur zu Festtagen präsentiert zu werden. Währen des Zweiten Weltkrieges wurde der Schrein abermals zerlegt und ausgelagert, um 1948 zum Domjubiläum wieder zusammengesetzt zu werden. 1948 erhielt er seinen heutigen erhöhten Platz hinter dem Hochaltar. Beim Wiederzusammensetzen des Schreines traten erhebliche Schäden zutage. Unter anderem war der mittelalterliche Holzkern morsch. (Dieser Holzkern muss schließlich eine Last von sieben Zentnern tragen.) Die grundlegende Restaurierung fand von 1961 bis 1973 statt. Die Kölner Goldschmiede Fritz Zehgruber und Peter Bolg legten ihrer Restauration Aufzeichnungen und Kupferstiche des 17. und 18. Jh. zugrunde, um den Schrein möglichst getreu dem mittelalterlichen Schrein wiedererstehen zu lassen. So wurde er auch wieder auf die mittelalterliche Länge von 220 cm verlängert.

 

Quellen:
Euler-Schmidt, M.: Heilsschatz in goldener Hülle. Der Dreikönigenschrein. In: Wolff, A. (Hg.): Der gotische Dom in Köln. Köln 1986.
Schnitzler, H.: Der Dreikönigenschrein. Bonn 1939.