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Die Vorgängerbauten des Kölner Doms

Römische Mosaike und Wasserleitungen unter dem Kölner Dom

Dass sich an Stelle unseres heutigen gotischen Doms mehrere Vorgängerbauten befunden haben, ist keine Erkenntnis der Neuzeit. Bereits vor 1256 berichtete Albertus Magnus, der größte deutsche Gelehrte des Mittelalters, er habe “in Köln sehr tiefe Gruben entstehen sehen, auf deren Grund Fußböden von wunderbarer Gestalt und Verzierung gefunden wurden, was beweist, dass Menschen in alter Zeit diese dort hergestellt haben und dass sie nach dem Verfall der Gebäude mit Erde überschüttet wurden.“ Dabei wird es sich wohl um römische Mosaikböden gehandelt haben.

Albertus Magnus min

Im Jahre 1553 entdeckte man unter dem Querhaus eine Wasserleitung, die man für römischen Ursprungs hielt. Weitere Funde ergaben sich durch die Wiederaufnahme der Bautätigkeit am Kölner Dom im Jahre 1842. Dadurch wurden immer wieder Rufe nach Grabungen unter der Kathedrale laut, denen das Domkapitel jedoch nicht nachgab. Bedingt aber durch die Kriegsschäden am und im Dom änderte sich diese Auffassung. Es war klar, dass der Dom ohnehin lange Zeit nicht mehr für den Gottesdienstbetrieb zu nutzen sein würde und so entschied man sich am 22.10.1945, auch auf Anraten des damaligen kommissarischen Dombaumeisters zu archäologischen Grabungen. Diese Forschungsarbeiten begannen am 21.05.1946 und setzen sich bis in unsere Zeit fort. Im Laufe der Zeit stieß man auf Spuren verschiedener Vorgängerbauten, auf die im folgenden chronologisch näher eingegangen wird.

Das Baptisterium - Frühchristliches Taufbecken in Köln

Das Baptisterium gehört zwar nicht zu den Vorgängerbauten des Doms, gibt jedoch davon Zeugnis, dass das Gelände insgesamt kirchlich genutzt wurde. Im Jahre 1866 stieß der damalige Dombaumeister Richard Voigtel östlich des Chores auf eine sog. Piscina, ein Wasserbecken. Es gehörte zu einem römischen Wohnbau und war möglicherweise ein Zierbecken im Garten des Hauses. Genau darüber wurde ein weiteres Becken erbaut. Es ist unumstritten ein frühchristliches Taufbecken, da es den Spuren gemäß entsprechend genutzt wurde.

Baptisterium Kölner Dom

Das Becken befand sich in einem rechteckigen Raum, der es relativ eng umschloss. Da das Gebäude ausschließlich für Taufzwecke genutzt wurde, lässt es sich als die älteste Kölner Taufkirche bezeichnen. Da sämtliche Kleinfunde der damaligen Grabungen verlorengegangen sind, lässt sich keine genaue zeitliche Einordnung vornehmen. Das ist lediglich für das Becken selbst möglich. Es stammt aus dem 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr.. Nach der zur Taufkirche gehörenden Gemeindekirche hat man selbstverständlich gesucht. Im Osten und Norden konnte es wegen dort in Nutzung befindlicher Straßen nicht gestanden haben. Südlich ebenfalls nicht, da man dort lediglich Wohnbebauungsreste gefunden hat. Somit kann sich ein solcher Bau nur im Westen befunden haben. Da sich die Baptisterien dieser Zeit maximal 25 m vom Kirchenbau befanden, lässt sich das Areal gut eingrenzen.

 

 

Erste Bischofskirche (kein Dom), auch genannt "Kirche mit dem Ambo"

Bei Grabungen in den 50iger und 60iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat man dieses Gebiet archäologisch untersucht. Was man fand, waren Reste der sog. Kirche mit dem Ambo / der Kanzel. Man bezeichnet sie so, weil der einzige Fund zunächst das Fundament einer Kanzel, heute als Ambo bezeichnet, war. Als einziger schriftlicher Beleg dafür dient ein Lobgedicht des römischen Dichters Venantius Fortunatus, der, nachdem er Köln Mitte des 6. Jahrhunderts besucht hatte, notierte, dass Bischof Carentius oder Clarentinus seine Kirche erweitert und mit Emporen ausgestattet habe. Wie heute auch üblich, befand sich der Ambo gegenüber des Gemeinderaumes. Zehn Jahre später fand man auch noch Reste eines Rundbogens. Ob er das Überbleibsel einer Apsis ist oder vielleicht die Basis eines Priestersitzes, vermag man nicht mehr festzustellen. In jedem Fall kann man die Fundstelle als den Ostchor dieser frühen Kirche annehmen. Ebenfalls gefunden hat man Teile des Westabschlusses. Daraus lässt sich schließen, dass der Kirchenraum ca. 50 m lang war. Ob Altarraum mit Amboanlage und der Kirchenraum aus einer Zeit stammen, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Auch das zeitliche Verhältnis zum Baptisterium bleibt ungeklärt. Denkbar wäre auch, dass es schon einen kompletten Vorgängerbau gegeben hat. Davon ist allerdings bislang nichts entdeckt worden. Auch wenn das alles ungeklärt ist, kann man davon ausgehen, dass die Kirche mit dem Ambo die damalige Bischofskirche war. Dafür sprechen einerseits das Patronat des heiligen Petrus und andererseits die lückenlose Bautenfolge an eben jenem Platz.

Bischof Hildebold aus Köln

Die erste Bischofskirche wurde über vier Jahrhundert lang genutzt. In dieser Zeit wurde sie mehrfach verändert. Zunächst erfuhr sie eine wesentliche Vergrößerung nach Westen hin. Entweder gleichzeitig oder später entstand ein Westchor mit ringförmigem Atrium. Dieses wurde mit einem halbrunden, überdachten Umgang versehen, der seinerseits nach außen hin mit einer fensterlosen Mauer abgeschlossen war. Von dieser ziemlich ungewöhnlichen Gebäudeform hat man nur Bruchstücke gefunden. Sie weisen starke Parallelen zum sog. St. Gallener Klosterplan auf, der auf einem gut erhaltenen Pergamentstück den Idealtyp eines karolingischen Königsklosters zeigt. Dieser Plan hat große Ähnlichkeit mit der ältesten Kölner Bischofskirche. Daraus folgt, dass der Kölner Bau und der Plan zeitlich eng beieinander liegen müssen. Anhand der Schreiberidentifizierung lässt sich der Plan ins 9. Jahrhundert datieren.

Eine zweite große Veränderung stellte der Abriss des Ambos dar. Stattdessen wurde eine sog. Schola cantorum eingebaut, eine Tribüne für Sänger. Dies ist mit der Einführung neuer Gesangsformen zu erklären, die eines Choreinsatzes bedurften, um sowohl Priester als auch die Gemeinde anzuleiten und zu unterstützen. Im Jahre 795 ließ Hildebold den Petrusaltar, den damaligen Hochaltar, auf Wunsch Karls des Großen prächtig ausstatten So ließ er ihn z.B. mit „Metallen umkleiden“. Hildebold durfte sich mit dem Titel des „archiepiscopus“ schmücken, obwohl Köln erst um das Jahr 800 zum Erzbistum erhoben wurde.

Der erste Dombau in Köln aus der Karolingerzeit

Blitzeinschlag im Dom im Jahre 857 - Das Ende

Das Ende der Kirche wird durch ein Unglück markiert, dass in die Amtszeit des Erzbischofs Gunthar (850 – 863) fällt. So schlug am 15. September des Jahres 857 der Blitz in die Kirche ein. Dabei kamen drei Menschen ums Leben. Wie groß der Sachschaden am Gebäude war, lässt sich nicht feststellen. Die Menschen jener Zeit aber fassten den Vorfall als Wink des Schicksals auf. Eine Kirche, die keinen Schutz mehr bot, musste selbst von Gott verflucht sein. So entschied man sich zum Abriss.

 


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Hildebold Dom - Erzbischof Hildebold und Karl der Große

Der alte Dom auch genannt Hildebold Dom (direkter Vorgängerbau des heutigen Kölner Doms), wie das Nachfolgergebäude genannt wird, wurde in nur wenigen Jahren errichtet. Nämlich zwischen 860 und 873. Zu dieser Zeit war Erzbischof Hildebold bereits lange tot. Er mag für Teile des Vorgängerdoms in seiner letzten Umbauphase noch als Bauherr und als Stifter fungiert haben, insbesondere für dessen Westteil. Aber vielleicht gründete er auch selbst den Alten Dom, der nach den archäologischen Quellen ab 800 entstanden sein könnte. Die Grundfläche des Vorgängerbaus wurde dabei beibehalten.

Alter Dom Köln Rekonstruktion nach Essenwein min


Die Kathedrale wurde mit zwei Chorräumen, drei Schiffen, zwei Querhäusern und dazugehörigen Krypten ausgestattet. Im Westen schloss sich ein 100 m langes Atrium mit den Wohnungen des Domkapitels an. Hier war also das Domkloster, das heute zumindest noch als Straßenname existiert. Auch Reste eines Nordflügels hat man gefunden. Klosterbauten entsprechend muss es auch im Süden Anschlussgebäude gegeben haben. Reste davon sind allerdings bis heute nicht gefunden worden.

Eingeweiht wurde der Kirchenbau am 27.9.870 oder 873 durch Erzbischof Wilibert. Während der Regierungszeit der Ottonen wurde die Kathedrale um zwei zusätzliche Schiffe erweitert. Auch erhält der Dom eine Pfalzkapelle analog zur Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen. Teile dieser Kapelle wurden 1969 beim Bau der Dombauhütte gefunden.

Östlich des Domes wurde unter Erzbischof Anno II. ( 1056 – 1075) die Stiftskirche St. Maria ad gradus errichtet. Wie im Westen wurde nun auch im Osten ein Atrium vorgelagert, das beide Kirchen miteinander verband. Kennzeichen waren zwei Reihen rote Sandsteinsäulen, deren eine man heute auf dem Domherrenfriedhof aufgestellt betrachten kann.

Erzbischof Anno II von Köln. Bauherr Kirchen Köln

Das Ende des alten Domes hängt zusammen mit der Überführung der Gebeine der Heiligen Drei Könige (1164) nach Köln. Außer ihrem kostbaren Schrein, sollten sie sozusagen auch eine prachtvolle steinerne Außenhülle bekommen. Mit der Finanzplanung hat man im Jahre 1225 begonnen. Sie endete zunächst mit der Ermordung des damaligen Erzbischof Engelbert I. vom Berg. Erst unter dessen zweitem Nachfolger, Konrad von Hochstaden, kam es im April 1248 zum Beschluss des Domkapitels, den Neubau zu beginnen. Zunächst wurde die Osthälfte eingerissen. Ein Unfall führte zu einer Brandkatastrophe, die den gesamten Dachstuhl vernichtet. Da der Westteil der Kirche jedoch weiter genutzt werden musste, wurden zunächst Reparaturarbeitern durchgeführt. Bereits vorher war der Westteil mittels einer Mauer abgetrennt worden. Mit diesem Provisorium musste man bis 1320 leben. Für das Jahr ist nämlich die Übernahme des Neubaus durch das Domkapitel belegt. Der Dreikönigsschrein wurde sogar erst 1322 im Rahmend der Chorweihe überführt. Die letzten Reste der alten Domkirche wurden zwischen 1325 und 1331 abgebrochen. Teile des Westatriums blieben bis ins 19. Jahrhundert erhalten.

Südturm Kölner Dom aus dem Mittelalter

 

Text: Christine Schauerte (Historikerin M.A.)


Fotos:

Baptisterium © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0