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Kölsch ist kölsch! Von neuen und alten Kölschsorten

Kölsch Geschichte(n)

Kölsch ist mehr als nur ein Bier in Köln, es ist eine Art Philosophie. Hinzu kommt, dass Kölsch das wichtigste Wort in Köln ist. Nicht nur das Kölsch eine Sprache ist, man kann sich ebenso kölsch fühlen und es vor allem trinken. Und das reichlich. Seit 2011 geht jedoch der Kölschgenuss kontinuierlich zurück. Waren es im Jahr 2011 noch 2,5 Mio Hektoliter, sind es 2018 nur noch knapp 1,8 Mio Hektoliter. Im Jahr 2019 ist der Konsum durch den verspäteten Karneval wieder leicht angestiegen. Interessant sind trotzdem die Menden, die allein an einem Tag von dem Kölnern und Kölsch Anhängern verzehrt werden. Angeblich zapfen die Köbese pro Jahr 1 Milliarde Kölschgläser und pro Tag werden 550.500 Kölsch getrunken. Allein das Brauhaus Früh schenkt täglich im Schnitt 60.000 Gläser aus!

Den Begriff Kölsch gibt es seit 1918 und wurde von Sünner geprägt

Seit 1918 gibt wird der Begriff "Kölsch" für die lokale Kölner Bierspezialität benutzt. Die obergärige Brauart gab es jedoch schon vorher. Man nannte den ungefilterten Kölsch-Vorgänger auch Wieß.

Wie viele Kölschsorten gibt es eigentlich? 

Wie viele Kölschsorten es gibt, vermag kaum jemand zu sagen, da immer wieder neue kleinere Kölschsorten entstehen und auch wieder unbemerkt vom Markt verschwinden. Es ist von ca. 25 Kölschsorten die Rede. Die drei größten Sorten sind Reissdorf, Gaffel und Früh Kölsch. Daneben gibt es viele kleine Brauereien, die für den Kölner oft das wahre Kölsch sind. Wenn man sich als Kölner so umhört, ist für die meisten das Päffgen Kölsch das Königs Kölsch! Diese Brauerei füllt nicht in Flaschen ab und braut nach altbewährtem Rezept seit 1883. Die Geschichten um die Päffgen Brüder sind legendär. Der berühmteste ehemalige Päffgen Köbes und späterer Inhaber des Wirtshauses Lommerzheim hat sogar im Jahr 1999 den amerikanischen Präsident Bill Clinton auf charmante kölsche Art den Zutritt in seine heiligen Hallen verwehrt. Getreu dem kölschen Grundgesetzt "Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domit".


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Winnetour, Agrippa und Kontra Kölsch

Unter den untergegangenen Kölschsorten gibt es spektakuläre Namen wie das Winnetou Kölsch, das Hänneschen Kölsch, das Kontra Kölsch oder einfach das lecker! Kölsch, der ehemaligen Weissbräu Brauerei in der Südstadt. Diese Kölschsorten kennt kaum noch jemand, jedoch gibt es noch einige Namen, die dem Kölner noch im Ohr klingen. Da wären zum Beispiel das Agrippa Kölsch, welches im REWE Markt gekauft werden konnte, das Augustus Kölsch oder das recht bekannte Germania Kölsch der ehemaligen Germania Brauerei, welche im Jahre 1904 gegründet wurde. Nach der Übernahme der Radeberger Gruppe wurde die Produktion im Jahre 2002 eingestellt. Viele untergegangenen Sorten gab es fast ausschließlich als Flaschenbier zu kaufen, wie beispielsweise das ehemalige Meister Kölsch.

Ein Kölsch welches es nur knapp ein Jahr, von 2009 bis 2010, auf dem heiß umkämpften Markt geschafft hat, war das Obergärige Freischem, gebraut in der ehemaligen Weissbräu Brauerei von dem Pächter des Sünner im Walfisch und dem Rotem Funk, Manni Freischem.

Neue Kölschsorten und Skandale

So sang- und klanglos wie einige Kölschsorten vom Markt verschwunden sind, umso spektakulärer erscheinen neue Sorten in Köln. Wie zum Beispiel das neue DuMont Kölsch der Sünner Brauerei aus Köln Kalk. Als die derzeitige Geschäftsführerin Astrid Schmitz-DuMont im letzten Jahr eine eigene Duftmarke unter dem Namen DuMont Kölsch setzen wollte, legte der Verlegersohn Konstantin Neven DuMont prompt Einspruch ein, mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung. Er sah die Markenrechte des Zeitungshaus M. DuMont Schauberg (u.a. Kölner Stadtanzeiger, Express, etc.) gefährdet. Doch seit diesem Sommer gibt es das Kölsch - serviert in einer trendigen Weißglasflasche - zu kaufen.

Die kleine Sünner Brauerei ist es gewohnt Aufsehen zu erregen. Ein Raunen ging in Kölschkreisen um, als vor einigen Jahren die Billigmarke Traugott Simon Kölsch in Köln auftauchte. Eine Kölsch welches in der Flasche verkauft wird und fast zwei Drittel billiger ist als alle führenden Premiummarken. Den Angaben auf der Flaschenrückseite zufolge wurde das helle Kölsch zunächst in der „Privatbrauerei Traugott Simon Kölsch" gebraut. Und das war verwunderlich, hatten doch selbst alteingesessene Kölner noch nie etwas von dieser Brauerei gehört. Das rief sofort den Kölner Brauerei Verband auf den Plan, nicht nur, dass es diese Brauerei gar nicht gab, sondern mit seinem rot-weiß-goldenem Etikett und den drei Kronen sieht es dem Früh Kölsch zum verwechseln ähnlich. Der Krefelder Getränkemarktbesitzer „trinkgut“ musste tätig werden und alle Flaschen umetikettieren bei einer angedrohten Strafe von 10.000 Euro. 

Die Ähnlichkeit mit dem Früh Kölsch ist sehr überraschend, vor allem wenn man weiß, dass die Sünner Brauerei, welches das Kölsch von Anfang an gebraut hat, sehr eng mit Früh Kölsch in Verbindung steht. So ist nämlich die vor kurzem in den Ruhestand gegangene Brauereibesitzerein Ingrid Müller-Sünner mit dem Früh-Mitinhaber Hermann Müller verheiratet. Ausgeschlossen werden kann, dass das Ehepaar Müller im Vorfeld nicht miteinander über die neu geplante Marke gesprochen hat. Somit kann dieser Vorfall eingereiht werden in den berühmten Kölner Klüngel, der vor allem in der Szene der Kölschbrauer bekannt ist, denkt man mal an die Gaffel Brüder Becker oder an den Streit der Päffgen Brüder.


Kölschstange

Lustige Fakten und unnützes Wissen über Kölsch

                • An einem Tag trinken die Kölner 550.000 Liter Kölsch, dass entspricht 2.740.000 Kölsch Gläsern
                • Karneval trinkt der Kölsch 150 Millionen Gläser in 5 Tagen
                • Die erste Kölsch Kneipe eröffnete 1878 in Kalk mit dem Namen Sünner. Die Brauerei gibt es schon seit 1860
                • 1918 wurde mit dem Wort Kölsch zum ersten Mal von der Brauerei Sünner geworben
                • 1999 sagte Bill Clinton bei seinem Besuch im Brauhaus zur Malzmühle "Ich bin ein Kölsch"
                • Kölsch ist das die einzige Biersorte europaweit, welches durch die EU regional geschützt ist und hat damit denselben Status wie Champagner.
                • Beim Streit der Gaffel Brüder wurden von Gaffel Bierdeckel gebraut mit der Aufschrift "Die Familie ist das Wichtigste im Leben, trinken Sie Brüderschaft"
                • In Amerika gibt es ein Bavaria Kölsch und ein California Kölsch

 


Böll Kölsch - eine Hommage an Heinrich Böll?

Eine weitere neue Kölsch Marke ist das Böll Kölsch welches im Frühjahr 2010 auf den Markt kam. Das neue Kölsch, welches nicht nur als Hommage an den berühmten Kölner Heinrich Böll gelten soll, sondern auch für den Szenewirt Clemens, bekannt aus dem Luxor und dem Chlodwig-Eck. „Böll-Bier steht für die Freiheit des Denkens“ so Günter Zabel, der Wirt der Ubier-Schänke und Mitinhaber des Alcazar. Zusammen mit Heiner Taubert, Chef des Gasthauses zur Linde in der Südstadt, Grünen-Ratsherr Stefan Peil, Thomas Böll, der Neffe von Heinrich Böll und Brauer Dieter Ritter gründeten sie die „Böll GmbH Co KG“. Erstmal wird das Kölsch in der bereits viel erwähnten Sünner Brauerei gebraut. „Geplant ist aber der Aufbau einer eigenen Brauerei“, sagt Zabel.

Man sieht, die Brauerei Sünner wird nicht müde in der Herstellung neuer kleiner Kölschsorten. Hier sei zum letzten Beweis noch das StattGarde Colonia Ahoj Kölsch zu erwähnen. Dieses Kölsch wurde in der letzten Karnevalssaison exklusiv für die Karnevalsgesellschaft „StattGarde Colonia Ahoj e.V. gebraut.

Die Liste der kleinen unbekannten Kölschsorten ist länger als man glaubt, ebenso die Liste der untergegangenen Kölschsorten. Jedoch ist eins so sicher in Köln wie das Amen in der Kirche. Man wechselt eher die Partei als die Kölschsorte und so ist fraglich, ob die vielen neuen Kölschsorten nicht irgendwann nur noch in unserer Erinnerung existieren.

Hier der bescheidene Versuch einer vollständigen Liste aller noch existierenden und ebenso untergegangenen Kölsch Sorten:

                • 1.FC Kölsch (von Küppers)
                • ABD Kölsch (Dormagen)
                • Agrippa Kölsch
                • Augustus Kölsch
                • Balchem Kölsch (†1974)
                • Bartmann's Kölsch
                • Beckmann Kölsch (Solingen)
                • Bergisch Löwen-Bräu Kölsch (Köln)
                • Bischoffs Kölsch (Brühl)
                • Braumeister Kölsch
                • Böll Kölsch (seit 2011 Köln / Sünner)
                • Bröcke Kölsch (Solingen Ohligs)
                • Bürger Kölsch
                • Conradin Kölsch
                • Cramer Kölsch
                • Dom Kölsch
                • Dumont Kölsch (Sünner)
                • Schreckenskammer Kölsch
                • Felskrone Kölsch
                • Früh Kölsch
                • Funke Kölsch (Hitdorf)
                • Garde Köslch (Dormagen)
                • Ganser Kölsch (†2018 - Leverkusen)
                • Gaffel Kölsch
                • Gereons Kölsch
                • Germania Kölsch
                • Giesler Kölsch (Brühl)
                • Gilden Kölsch
                • Glocken Kölsch
                • Hahnen Bräu Echt Kölsch (†1958)
                • Hänneschen Köln (Kölsch) (1991)
                • Hellers Kölsch
                • Herzog Kölsch (Hilden)
                • K + (Kölsch) (†1954)
                • Kalder Kölsch (Jubiläums-Kölsch 1990)
                • Kess Kölsch (Dormagen)
                • Knappen Kölsch (†1975)
                • Kontra Kölsch
                • Küppers Kölsch (urspr. Wicküler Brauerei, Wuppertal)
                • Kur Kölsch (Bonn)
                • Kurfürsten Kölsch (Bonn)
                • Malz-Mühlen Kölsch
                • Meister Kölsch (Köln u. Wuppertal)
                • Mühlen Kölsch
                • Neumarktbräu Echt Kölsch (†1958)
                • Päffgen Kölsch
                • Peters Kölsch (erst Monheim, jetzt Köln)
                • Prinzen Kölsch (Langenfeld)
                • Rats Kölsch
                • Reissdorf Kölsch (Köln)
                • Richmodis Kölsch
                • Römer Kölsch
                • Schloß-Turm Kölsch (Hilden)
                • Schmitze Kölsch
                • Schreckenskammer
                • Schöffen Kölsch (Euskirchen)
                • Sester Kölsch
                • Severins Kölsch (Bedburg)
                • Sion Kölsch
                • StattGarde Colonia Ahoj Kölsch (2010 – Köln / Sünner)
                • Stecken Kölsch
                • Stern Kölsch (Hitdorf)
                • Stolz Kölsch
                • Sudhaus Kölsch (Leverkusen)
                • Sünner Kölsch
                • Traugott Simon Kölsch
                • Treppchen Kölsch (Rodenkirchen)
                • Ubier Kölsch
                • Weiss Bräu (†2007)
                • Winnetou Kölsch
                • Zunft Kölsch (Bielstein)

(Quelle Wikipedia und Co.)


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Wer ist eigentlich der Köbes?

Der Köbes ist Nachrichtenbüro, Philosoph und Internist zugleich. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und ist schnoodrig und frech. Was dem Auswärtigen oft unfreundlich erscheint, lieben wir Kölner. Zu einem Köbes kann eine tiefe und innige Liebe entstehen und er ist wie Dein bester Freund. Er mischt sich im Vorbeigehen in Gespräche ein, kommentiert z.B. die Trinkgeschwindigkeit der Tischrunde oder gar den Wunsch nach einem Glas Wasser mit „Handtuch und Seife mit dabei?“. Er duzt grundsätzlich seine Kundschaft ohne Rücksicht auf Hierarchie, dieses „Privileg“ wird von ihm erwartet, auch er wird geduzt. Wenn der Kunde König ist, ist der Köbes der Kaiser. Besucher des Brauhauses haben sich stets so zu verhalten, dass der Köbes sich wohl fühlt und nicht allzu viel Arbeit für ihn entsteht. Im Gegensatz zu den alten Zeiten, in denen der Köbes sich einen Teil seines Lohnes in flüssiger Form auszahlen ließ, herrscht heute für den Berufsstand weitestgehend Alkoholverbot im Dienst. Das klassische Arbeitsgerät des Köbes ist der Kranz. Je nach Größe passen 20 Stangen in den Kranz.

Generell und traditionell trägt der Köbes eine lange blau eingefärbte Schürze, ein weißes Hemd und die typisch dunkelblaue Strickweste. Darüber hat er eine lederne Geldtasche umgeschnallt. Die Kleidung lässt noch erahnen, was die Köbesse früher waren: Brauknechte, die dem Brauer zur Hand gingen, Fässer rollten, anschlugen und zapften. Traditionell trug im Mittelalter die arbeitende Bevölkerung blau – heute auch „Blaumann“ genannt, da dies eine recht Schmutz unempfindliche Farbe war.

Wie kam der Köbes zu seinem Namen?

Verschiedene Versionen gibt es zur Entstehung des Namens „Köbes“. Im Kölschen wohl als Kürzel für Jakob (urspr. Jakobus), wie Jupp für Josef und Tünn für Anton, stellt man die Verbindung zu den Jakobpilgern, deren Weg ja auch zum Teil durch Köln geht, her. Manche vermuten, dass die damals oft ärmeren Jakobspilger sich auf ihrem Weg bei einem Zwischenstopp in Köln als Kellner etwas dazuverdienten. Da die Kölner keine Lust hatten, sich alle merkwürdigen Vornamen zu merken, nannten sie diese Kellner nach dem Jakobus-Pilgerweg „Köbes“. Es gibt aber keinen schriftlichen Beweis, dass in der Zeit, als die Leute pilgerten, etwa bis ins 16. Jh. der Kellner in den Wirtschaften „Köbes“ hieß. Er wurde „Pooschte“ = Bursche genannt.

Eine andere Version meint, dass sich der Begriff in der französischen Besatzungszeit dadurch ergeben hat, dass man die Franzosen gerne mit ihrer Schwierigkeit, Umlaute mit nachgefolgtem Konsonanten (ö+k) auszusprechen, aufzog. Denn die Franzosen, die oft hörten, dass die Kölner ihren Kellner „Köbes“ riefen (weil er Jakobus hieß), dachten, „Köbes“ sei gleichbedeutend mit frz. garcon = Kellner. Deswegen fingen die Franzosen an, jeden Kellner „Köbes“ zu rufen. Als die Kölner merkten, dass die Franzosen etwas falsch verstanden hatten, gaben sie ihrem Kellner ein Zeichen, wenn Franzosen in die Wirtschaft kamen und riefen „Köbes“, auch wenn der Kellner anders hieß. Wenn die Franzosen es nachmachten und sich an diesem Wort mit ö+k die Zunge verdrehten, hatten die Kölner etwas zu lachen. Nachdem Köln fünf Jahre französisch besetzt war, hat es sich in den Wirtschaften eingebürgert (= es gibt Dokumente), den Kellner „Köbes“ zu rufen.

Andere meinen, dass dieser Name sich einfach, wie z.B. in England der Name für den Butler (James) und in Frankreich der Name für den Kellner (Jaques) bei uns unter den Franzosen zu Jakob und dann auf Kölsch zu „Köbes“ wurde.

In einem Artikel aus der „Süddeutschen“ schreibt Achim Graf zum Thema Köbes:
„Köln ist schon eine eigenartige Stadt, Käsebrötchen heißen hier „Halver Hahn“, Blutwurst „kölscher Kaviar“. Bier trinkt man aus winzig kleinen Gläsern. Gebracht werden diese Stangen in den Brauhäusern ebenso ungefragt wie unablässig von Obern, die man tunlichst niemals so nennen sollte. Der Köbes ist nun einmal kein Ober. Ein Köbes ist im Nebenberuf  vielmehr Nachrichtenbüro und Philosoph, Beichtvater und Kabarettist in einem; er ist der Zeremonienmeister, die Seele des Brauhauses.“

Das Gaffel-Brauhaus war 1995 das erste Brauhaus in Köln, das den weiblichen Köbes, die Jakobina oder Köbissin, einführte. Damals sagten einige Brauhäuser, dass sie nie solche Frauen als Köbes akzeptieren würden. Einige Zeit später gab es aber im Brauhaus Früh die Köbissin und im Brauhaus Peters. Bei Sion oder der Malzmühle hat man mittlerweile nachgezogen. Das Brauhaus Peters führte als erstes den farbigen Köbes ein.


DanielDie besten Köbes Sprüche

                • Du willst en Tee? Seh ich us wie ne Geisha?
                • Tee kriegste drüben in der Apotheke
                • Ein Schuss und ein Drecksack! – Das seh ich, und was wollt Ihr trinken?
                • Wat? Du willst Kakao? Mir sin doch nit dat Müttergenesungswerk!
                • Wasser? Auch noch en Handtuch und en Stück Seife dazu?
                • Noch en Schnaps? Bei dinge rude Kopp?

 


 

Brauhäuser und Brauereien in Köln

Suenner Koelsch - das älteste Kölsch von KölnSünner Brauerei und Ausschank Sünner im Walfisch

Bereits im Jahr 1830 wurde die Brauerei Sünner in Köln-Deutz gegründet, die heute als die älteste noch produzierende Kölner Brauerei gilt und stets in Familienbesitz war. Die Entstehung geht auf Franz Hess zurück, den Schwager Christian Sünners, der an der Deutzer Freiheit eine kleine Hausbrauerei, „Zum Schiffgen“ mit angeschlossener Brennerei und Schankwirtschaft, entstehen ließ. Der Standort erwies sich als sehr geeignet. Die 1822 erbaute Schiffsbrücke erlaubte eine fast ununterbrochene Überquerung des Rheins zu Fuß oder mit dem Fuhrwerk. Die durstigen Fuhrleuten und zahlreiche Besucher, besonders Badegäste der im Strom verankerten Badeanstalt, stärkten sich im Brauhaus an der Schiffsbrücke und damit an einer der belebtesten Stellen Kölns.

Nach dem Tod der Eheleute Franz Hess übernahm Christian Sünner aus Mülheim bei Köln die Brauerei und führte sie mit seinen Kindern weiter. Zu dieser Zeit war besonders der angeschlossene Biergarten beliebtes Ausflugsziel der bürgerlichen Gäste. Angesichts steigender Umsätze war eine Erweiterung der Brau- und Brenneinrichtungen nötig. Da
das Grundstück in Deutz begrenzt war, wurde im Jahr 1858 ein großflächiges Anwesen in Kalk erworben mit anliegenden Zechengebäuden und Schachtanlagen, was der Brauerei den Beinamen „Zechenbrauerei“ verlieh. Die Brauerei war erneut mit einer Gaststätte verbunden, das Garten-Restaurant „Zur Zeche“, das zu den beliebtesten Lokalen gehörte und die Brauerei im Laufe der Jahre zu einem der größten Unternehmen dieser Art machte.

Aufschwung und Zerstörung

Nach den Kriegen 1864/66 und 1870/71 stieg die Nachfrage derartig an, dass erneut Erweiterungen der maschinellen Einrichtungen und entsprechender Kellereien nötig waren. Zu dieser Zeit führte Christian Sünner die Brauerei mit seinen vier Söhnen Christian, Albert, Franz und Karl. Als er kurz drauf starb, übernahm der älteste Sohn Christian die Geschäfte. Sein Bruder Karl sammelte Erfahrungen in Braubetrieben in Österreich und verschiedenen deutschen Städten. So brauten sie später erstmalig in Köln auch ein untergäriges Lagerbier nach bayrischer Art, das vom Publikum sehr angenommen wurde und den Ruf des „Sünner Bräu“ begründete. 3

Es folgten neue Erweiterungen und technische Entwicklungen. Mit einem Doppel-Sudwerk konnte eine Jahresleistung von 70.000 hl Bier produziert werden – die Spitze der Leistungsfähigkeit der Kölner Brauindustrie. Gleichzeitig löste man endgültig das ständige Problem ausreichender Kühlung. Weiterentwickelte Technik der Firma Linde bot die Kühlung mit Eismaschinen an.

Ab 1900 schließlich ging die Brauerei in die dritte Generation und wurde kurz nach dem ersten Weltkrieg in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Rohstoffverknappung durch den Krieg bewirkte wie bei den meisten Brauereien einen erheblichen Rückgang der Produktion. Ab 1924 etwa war der wirtschaftliche Aufschwung deutlich spürbar. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die zwischenzeitlich stillgelegte Brennerei wieder in Betrieb genommen. Der echte Kornbranntwein aus Roggen und Malz war dabei eine besondere Spezialität. Neben dem alten Stammhaus am Rheinufer entwickelten sich auch in der Innenstadt weitere Brauerei-Gaststätten: das Brauhaus „Zur Henne“, das Muschelhaus „Bier-Esel“ und die bekannte „Sünner Terasse“.

Nach weiteren schweren wirtschaftlichen Wirren normalisierte sich das wirtschaftliche Leben. Der Bierabsatz stieg wieder an und erreichte 1938 den höchsten Stand vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Nach der fast völligen Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude von der Familie in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt; natürlich verbunden mit weiteren Modernisierungen und Erneuerungen.

Sünner heute

Das Brauereigebäude an der Kalker Hauptstraße steht heute unter Denkmalschutz und ist das älteste in ursprünglicher Form erhaltene Industrie-Gebäude-Denkmal Kölns. Für das Sünner Kölsch wird Braugerste aus heimischem Anbau, Hopfen aus der Hallertau, Hefe aus eigener Reinzucht und weiches Brunnenwasser aus einem eigenen Brunnen auf dem Brauereigelände verwendet. Dieses Wasser kommt aus dem nahen Bergischen Land.
Als erste Kölsch Brauerei wagte sich die Sünner Brauerei an ein eigenes naturtrübes Hefeweizen. Es gilt mittlerweile als eine Spezialität, die –ebenso wie das Sünner Malz- im Brauerei-Biergraten und der gesamten Sünner-Gastronomie gut ankommt. Als einzige Brauerei in Köln hat Sünner eine hauseigene Brennerei. Die Produktpalette bietet u.a. Sünner-Korn, Sünner Korn No. 1, der im Eichenfass gelagert wird, der Magenschnaps Süner-Akrobat, Sünner Gespritzter und den dreifach gebrannten mit echten toskanischen Wacholderbeeren versetzten Sünner-Wacholdergeist.

Seit dem Jahre 1996 wurde in der Kölner Altstadt eine historische Braustätte neu belebt und nennt sich heute knapp „Sünner im Walfisch“. Früher wegen seiner Nähe zu Groß St. Martin auch „Kirchenbrauhaus“ genannt, waren hier bis zur Schließung im Jahre 1889 verschiedene Brauer aktiv. Teilnehmer der Tour entlang des Brauhaus-Wanderweges zählen ebenso wie Besucher des nahen Hänneschen-Theaters zu den zahlreichen Gästen. Rund 140 Personen finden in diesem Brauhaus mit jugendlichem Flair im klassischen Brauhaus-Umfeld Platz. 5
Eine Neuheit sind die Kölsch-Türme“, schlanke Röhren, die maximal fünf Liter fassen und aus denen sich die Gäste selbst an ihren Tischen bedienen können.

Für den Stadtteil Kalk ist die Brauerei Gebr. Sünner in der heutigen Zeit mit kulturellen Angeboten und klarer „Bekenntnis“ zum Stadtteil in vieler Hinsicht wichtiger denn je.

Reissdorf - das meist getrunkene KölschReissdorf Brauerei

Gründungsgeschichte - Severinstraße 51

Die Gründung der Privat-Brauerei Heinrich Reissdorf –damals „Obergärige Brauerei Heinrich Reissdorf“ genannt- fällt mit dem Jahr 1894 in die sogenannte Gründerzeit Ende des 19. Jahrhunderts. Die bestehenden Brauereien waren einem starken Wettbewerb ausgesetzt. Durch zahlreiche Zusammenschlüsse zu Aktienbrauereien standen Großbetriebe gegen Hausbrauereien. Durch die rasante Zunahme der städtischen Bevölkerung und die sich abzeichnenden Vorteile der technischen Entwicklung fällt jedoch auch die Gründung vieler neuer Brauereien in genau diesen Zeitraum. 1913 zählte Köln 544.000 Einwohner, deren Gesamtkonsum an Bier bei 839.000 hl lag. Das bedeutete 154 Liter pro Kopf der Bevölkerung.

Heinrich Reissdorf, Gründer des Unternehmens, stammte aus einer alteingesessenen Landwirtsfamilie der Gemeinde Bergheim und kam durch seine Militärzeit nach Köln. Nach der Heirat mit Gertud Cremer ließ er sich nach zwölf Jahren Militär als Uniformschneider dort nieder und kam zu Ansehen und Wohlstand. Gemeinsam mit seiner Frau leistete er die Aufbauarbeit der Brauerei im „Vringsveedel“, dem urkölschen Viertel der Stadt, bis zu seinem Tod 1901. Die Severinstraße war eine der Hauptdurchgangsstraßen Kölns; Nord-Südachse zwischen Eigelsteintor und Severinstor. Das Haupthaus mit dem angrenzendem Biergarten und Kegelbahn ging zur Severinstraße; Wirtschaftsgebäude und Sudhaus lagen zum Karthäusergraben.

Man erzählt sich im Vringsveedel, dass im Eingangsflur zum Brauhaus immer ein Köbes aus einem Pittermännchen Kölsch verkaufte; „En dr Pooz“, wo das Obergärige verzapft wurde. Diese Pforte war jedoch gleichzeitig die ehemalige Einfahrt zur Brauerei. Wollte ein Brauereigespann passieren, so mussten die Gäste die Wandbänke hochklappen, um das Fuhrwerk durch zu lassen. Dieser Hausflur diente im 19. Jh. den Gästen zu einem Bier auf die Schnelle, war er doch um 1800 eher Leuten wie Henkern, Knechten und Abdeckern vorbehalten. 2
Im Brauhaus nebenan saß das bessere Bürgertum. Überwacht wurde der Brauhausbetrieb aus dem „Thekenschaaf“, der Kasse, die in der Regel von den Inhabern besetzt war.

Kriegswirren

Als Alleininhaberin führte Gertrud Reissdorf danach die Brauerei bis 1908 weiter; dann folgten ihre fünf Sohne Johann Hubert, Heinrich, Herrmann, Friedrich und Carl. Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Brauhaus das erste Mal verpachtet. Der Bierausstoß betrug 15.000 hl, von denen 3.000 bis 4.000 hl im Reissdorf Brauhaus und im angeschlossenen Brauereiausschank in der Hermann-Becker-Straße ausgeschenkt wurden.
Pferdefuhrwerke lieferten Reissdorf-Bier bis nach Bergheim aus und mit der Eisenbahn transportierte man Bier bis nach Essen und Krefeld. Im Jahr 1923 schließlich kamen zum bisher produzierten obergärigen Bier untergärige Sorten wie Pils, Märzen und Export hinzu. Im Rahmen dieser Entwicklung wurde die Brauerei in „Brauerei Heinrich Reissdorf“ umbenannt und die Firma als OHG weitergeführt.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges warf viele Probleme auf. Die stark eingeschränkte Rohstoffversorgung und die Einberufung vieler Arbeiter zur Wehrmacht sind dabei besonders zu nennen. Die immer häufiger auftretenden Bombenangriffe bedeuteten immer größere Betriebszerstörungen. Insgesamt wurde die Brauerei siebenmal von Bomben getroffen. Carl Reissdorf kam am letzten Tag des Krieges ums Leben. Bei Kriegsende war die Brauerei zu 90% zerstört. Hermann-Josef Reissdorf kehrte im Juni 1945 aus der Gefangenschaft zurück und begann direkt mit seinem Bruder Karl-Heinz den Wiederaufbau. „Hopfen und Malz stammten aus Restbeständen unter den Trümmern, aus normaler Backhefe wurde Brauhefe. Die lange unbenutzten Bierfässer wurden von Hand mit kaltem Wasser und Rheinsand sauber gescheuert“.

Schon am 15.7.1945 konnte so der erste Sud Bier nach dem Krieg gebraut werden. Zwischenzeitliche Verhaftung und Hausarrest durch die englischen Besatzer drohten die unendlichen Arbeitsmühen zu zerstören. Im August 1945 wurde jedoch schon dunkles süßes und helles Einfachbier (mit 2 % - 4%) gebraut; ab Mai 1946 konnte dies bereits in Flaschen abgefüllt werden.

Da die englische Besatzungsmacht in den ersten Jahren nach dem Krieg in der Besatzungszone das Brauen von Vollbier untersagten und die Rohstoffversorgung weiterhin schwierig war, kam es zu sog. „Ersatz-Bieren“. Bei der Brauerei Reissdorf hieß diese Biermarke „Colonia Quell“.“ ...doch das Ziel der Brauer war, die Betriebe nach modernen brautechnischen und wirtschaftlichen Erkenntnissen umzubauen. Das geschah Zug um Zug. Noch bessere Qualität, noch größere Wirtschaftlichkeit war die Losung“.
In der Reissdorf Brauerei installierte man eine neue Braupfanne mit Kohlefeuerung. Im Jahr 1948 konnte kontinuierlich ein Einfachbier mit 2%-4% abgefüllt werden, 1949 vorerst ein Lagerbier von 8% und schließlich Vollbier mit 12% als Pils, Export und Kölsch. Im Jahr 1950 entstand bei der Reissdorf Brauerei ein eigenes Labor.

Moderne Brauereitechnologie

Langsam änderte sich die Marktlage; das helle, leicht bekömmliche Kölsch lag im Trend; wurde Nationalgetränk der Kölner. Einige Kölner Brauereien, die noch nicht verstärkt auf Kölsch setzen wollten, ließen ihr Kölsch im Lohnbrauverfahren bei Reissdorf brauen. 1975 wurde der brauereieigene Fuhrpark zugunsten von unabhängigen Spediteuren und Bierverlegern abgeschafft. Bedingt durch Krieg und den anschließenden Wiederaufbau lässt sich am Beispiel der Brauerei Reissdorf die gesamte brautechnische Entwicklung dokumentieren. „Der letzte technische Stand der Sudhaus-Bestückung ist ein vollständig computergesteuertes 5-Geschirr-Sudwerk mit 5t-Schüttung, das 1990 eingebaut wurde...Verbindung von neuem technologischen Wissen und solidem Handwerk ist Fundament unseres Handelns“. Aufgrund der großen Modernisierungen und Erweiterungen war es nur eine Frage der Zeit, dass die räumlichen Gegebenheiten im engen Severinsviertel nicht länger ausreichten. Weiterhin erschien dem Unternehmen die Umwelt- und Verkehrsbelastung für das Wohnviertel zu hoch. Die Brauerei zog im Jahr 1998 in das Gewerbegebiet Köln-Rodenkirchen um; eine Produktionsstätte mit „modernster Brauereitechnologie und höchsten Qualitätsansprüchen“.

Im Jahr 2003 schließlich konnte die Reissdorf Brauerei als erste rechtlich selbstständige Kölsch-Brauerei die magische 600.000 hl Ausstoßgrenze überschreiten (664.000 hl in 2005).

Heute gilt bei vielen Reissdorf-Kölsch als das beste Flaschenkölsch. Seit Herbst 2006 gibt es Reissdorf-Kölsch auch in Pttermännchen (10l), bis dahin gab es Reissorf nur in 20 l (40l) Fässer. Seit 2009 hat am Ort der alten Reissdorf Brauerei an der Severinsstraße das neue "Zum alten Brauhaus" seine Pforten geöffnet.

Eine gute Dokumentation über Kölsch in Köln und vor allem dem berühmten Brauhaus Früh

 


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Mythen und Legenden ums Bier

DER KÖNIG DES BIERES ODER DIE GESCHICHTE VON GAMBRINUS

Wer gilt in der Geschichte als der König des Bieres? Es wird behauptet, dass ein gewisser Gambrinus der Erfinder des Bieres, sein Schutzpatron und König ist.

Es existieren viele Gereimtheiten und Ungereimtheiten über die Geschichte vom König des Bieres. Laut einem Handbuch über das Bierbrauen, verfasst am Ende des 19. Jahrhunderts, ist der Erfinder des Bieres ein gewisser Gambrinus. Er war der König von Flandern und Brabant. 1200 Jahre vor Christus soll er gelebt haben und wegen seiner Verdienste um das Bier, soll er in späteren Jahren heilig gesprochen worden sein. Der Kölner Bier Historiker Wilhelm Scheben aus dem späten 19. Jahrhundert hingegen hat richtig erkannt, dass Gambrinus mit Herzog Jan I. (Primus) oder Johannes I. von Brabant identifiziert werden kann. Auf einer niederländischen Darstellung aus dem Jahre 1526 wird ein Fürst mit einer Krone aus Gerstenähren gezeigt. Wilhelm Scheben erklärt, dass der Herzog sich in die Brüsseler Brauergilde hat aufnehmen lassen und das sein Bildnis im Saal der Gilde und anderen Brauereien von Brabant aufgehangen wurde. Jedoch unterlag auch Wilhelm Scheben einem Irrtum. Die Geschichte von Gambrinus dem König des Bieres verdankt ihren Namen schlicht und ergreifend einem Überlieferungsfehler.

War Gambrinus ein Germane?

Tacitus, der in seinem Werk Germania über die Germanen schrieb, dass diesie ein Getränk aus Gerste und Weizen tranken, erwähnte den Stamm der ‚Gambrivii’. In den Annales des Aventin wird der Anführer dieses germanischen Stammes ‚Gambrivius’ genannt. Mehrere Dichter des Mittelalters übertrugen den Namen falsch oder eventuell war sogar ein Druckfehler Schuld daran, dass aus Gabrivius Gambrinus wurde. 

Später wurde der Name Gambrinus völlig willkürlich mit den Bierbrauern in Verbindung gebracht. Aber es gibt noch einen anderen Erklärungsversuch, warum Gambrinus, der König des Bieres ist. Etymologisch betrachtet identifiziert die Sprachwissenschaft den Namen Gambrinus mit Jan I. (Primus) bzw. Johannes I. von Brabant. An der Spitze eines Bündnisses mit den "Düsseldorfern" sowie mit der Stadt Köln, besiegte Johann I. am 05. Juni 1288 in Worringen den Erzbischof von Köln. Johann I. war zum Zeitpunkt gerade neunzehn Jahre alt.

Johann I. verjagte den Kölner Erzbischof - Schlacht von Worringen (1288)

Er war der Sohn des Königs Heinrich III. von England (1216-1272). Sein Bruder Heinrich IV., krank und geistesgestört, war noch minderjährig als Heinrich III. starb. Heinirch IV. verzichtete 1267 zu Gunsten Johannes I. auf seine herrschaftlichen Rechte. Großen Ruhm erwarb Johannes I. durch seinen Sieg bei Worringen. In dieser großen Ritterschlacht auf der Fühlinger Heide standen sich 10.000 Soldaten gegenüber. Dieser Kampf beendete den Limburger Erbfolgestreit (1283-1289). Anschließend führte der Sieg von Johann I. zur Gefangenschaft des Erzbischofs und zerschlug zugleich die erzbischöfliche Vormachtstellung in Köln und in den niederrheinischen Gebieten. Erzbischof Siegfried von Westernburg musste für seine Freilassung politische Zugeständnisse machen, von denen sich seine Territorialpolitik nie wieder erholen sollte. Schon seit Mitte des 13. Jahrhunderts hatten einzelne Dynastiehäuser wie Jülich, Berg und Mark ihre Autonomie erlangt und eigene, selbständige Territorien aufgebaut. Diese brachen die vorherrschenden politischen Machtstrukturen auf. Die Kämpfe und der Sieg der Koalition gegen den Erzbischof von Köln bezeichnen die Summe eines Umstrukturierungsprozesses. Diese Schlacht befreite die Stadt Köln und ihrer Bevölkerung von der Stadtherrschaft des Erzbischofs . Nominell blieb dieser allerdings der Herr der Stadt, „die Regierung aber übernahmen die etwa 15 Patrizierfamilien in Köln“ .

Endlich frei! Ehrenbürger der Stadt Köln - Brabanter Hof

Für die erkämpfte Freiheit zeigten sich die Kölner erkenntlich und machen Johann I. zum Ehrenbürger von Köln und schenken ihm ein ansehnliches Haus, das unter dem Namen ‚Brabanter Hof’ Jahrhunderte existierte, bis es schließlich im Jahr 1860/61 abgebrochen wurde. Am Brabanter Hof entfaltete sich ein blühendes Leben der Künste, vor allem der Literatur. So ist „Jan Primus“ bzw. Jan I. schon längst in Köln beheimatet, bevor ihn die französischen Soldaten Ende des 18. Jahrhunderts mit nach Köln bringen. Die Kölner Brauer hören somit 1794 zum ersten Mal vom „Schutzpatron“ des Bieres.

Johann I. hingegen galt als das Muster des höfischen Rittertums. Er war eine „glänzende Rittergestalt“, dessen Ruhm sich rasch verbreitete. Er ritt durchs Land und nahm mit ritterlicher Begeisterung an Turnieren teil. Im Jahre 1294 jedoch starb Jan „Primus“ bei einem Turnier in Bar, dem heutigen Frankreich. Vielleicht erklärt sich so, dass in den Räumen einer Brauergilden ein Bild von ihm gehangen haben soll. Die Brauer waren wahrscheinlich nicht die einzigen, die ihn verehrten. „Denn als eigentlicher Sieger von Worringen hat er den Grundstein für ein Wachsen und Blühen von Brabant und eine eigenständige Entwicklung des niederländischen Raumes gelegt“ .

LITERATUR:

Gambrinus

1) P. AVONDS, Johannes I. von Brabant, In: LexMa V, München/Zürich 1991; Sp. 506-507.

2) E. KIAUPA, Schlacht von Worringen, In: LexMa IX; München, Sp. 337.

3) F. MATHAR/R. SPIEGEL, Kölsche Bier- und Brauhäuser, Köln1989.

4) E. MICK, Köln im Mittelalter, Auf den Spuren Kölner Geschichte 4, hg. v. Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums e. V., Köln 2006.

 

Brauhautouren in Köln mit Stadtgeschichten Köln

Am meisten erfährt man über die Geschichte von Kölsch, den Brauern, Köbesen und Kölsch Marken bei einer Brauhaustour in Köln. Hier besucht man in einigen Stunden mehrere Brauhäuser in Köln und erlebt das Kölsch somit in seiner natürlichen Umgebung. Ein oder mehrere Kölsch dürfen da nicht fehlen. Brauhaustouren sind in den verschiedenen Veedeln (Stadtteilen) möglich. Über den berühmten Eigelstein, die Südstadt, op der Schäl Sick oder im Kölner Westen. Wichtig dabei ist, am besten einen echten originalen Kölner als Stadtführer zu haben, der sich in Köln auskennt und viel zu erzählen weiß. Von einer echten kölschen Brauhaustour seid Ihr nur einen Klick entfernt!

@Christine Schauerte M.A. (Historikerin)